19.08.2026 Fachbeitrag

Unsichtbare Wasserzeichen: Wie KI-Texte erkennbar sind

Update IP, Media & Technology Nr. 149

Mit der Verordnung über Künstliche Intelligenz („KI-VO“ bzw. AI-Act) hat die Europäische Union erstmals einen umfassenden Rechtsrahmen für den Einsatz von Künstlicher Intelligenz geschaffen. 

Seit dem 2. August 2026 bestehen Transparenz- und Kennzeichnungspflichten für KI-generierte Inhalte. Sie sehen unter anderem vor, dass Anbieter generativer KI-Systeme KI-generierte bzw. KI-manipulierte Inhalte technisch so kennzeichnen müssen, dass ihre künstliche Herkunft maschinenlesbar erkennbar ist. Für bestimmte von Unternehmen veröffentlichte KI-generierte oder KI-manipulierte Inhalte gelten darüber hinaus Kennzeichnungspflichten gegenüber den Nutzern.

Damit stellte sich die praktische Frage: Wie soll eine solche technische Kennzeichnung bei KI-generierten Texten funktionieren? 

Anthropic kündigte an, künftige Modelle mit einem Watermarking für Texte auszustatten.  

Was ist „Watermarking“? 

Bei Watermarks denkt man zunächst an sichtbare Hinweise, wie Logos, Muster oder Schriftzüge, die die Herkunft oder den Urheber eines Dokuments zeigen. 

Bei KI-generierten Texten erfolgt das Watermarking jedoch über ein statistisches Muster in der Wortauswahl, das für den Leser nicht erkennbar ist.

Wie funktioniert das „Watermarking“?

Generative KI erzeugt Texte, indem das zugrunde liegende Modell Schritt für Schritt entscheidet, welches Wort als Nächstes am wahrscheinlichsten passt. Dabei gibt es häufig mehrere Wörter, die gleichermaßen gut passen. 

Beispiel: „Der Film war ziemlich…“ 

Hier könnte „spannend“ oder „fesselnd“ folgen. Beide Wörter passen sprachlich und inhaltlich gut. Welche Variante gewählt wird, macht für die Aussage des Satzes kaum einen Unterschied.

Diese „Low-Stakes-Entscheidungen“ werden im Watermarking genutzt: Gibt es mehrere gleich geeignete Wörter, wird die Zufallsentscheidung bei deren Auswahl so gesteuert, dass über einen längeren Text hinweg ein bestimmtes statistisches Muster entsteht.

Das Modell verändert dabei nicht den Inhalt des Textes und fügt auch keine versteckten Zeichen oder zusätzlichen Wörter ein.

Das Wasserzeichen ist so für den Leser nicht erkennbar. Wer jedoch über den entsprechenden Schlüssel verfügt, kann überprüfen, ob der Text das erwartete statistische Muster aufweist.

Die Grenzen des „Watermarkings“

Ein Watermark beweist nicht, dass ein Text vollständig von einer KI erstellt wurde. Es kann vielmehr Aufschluss darüber geben, wie wahrscheinlich ein bestimmtes KI-System an der Erstellung oder Bearbeitung des Textes beteiligt war.

Dabei gilt: Je weniger eigene Textentscheidungen das KI-Modell trifft, desto geringer sind auch die Möglichkeiten für das „Watermarking“.

Korrigiert eine KI lediglich einen von einem Menschen verfassten Text, stammen die meisten Wörter weiterhin vom Menschen. Die Möglichkeiten ein „Watermarking“ einzubauen sind somit geringer, als bei einem Text der vollständig selbst von der KI generiert wird. 

Auch bei eindeutigen Antworten gibt es keinen Spielraum für die Wortauswahl. 

Beispiel: „2 + 2 = …“

Hier gibt es keine gleichwertige Alternative zu „4“. Das Watermarking kann an dieser Stelle nicht ansetzen. 

Was bedeutet das für Unternehmen?

Die Frage, ob und wie KI-generierte Inhalte gekennzeichnet werden müssen ist eine wichtige Compliance-Frage.

Wer KI für Marketing, Produktbeschreibungen, Kundenkommunikation oder andere Prozesse im Unternehmen nutzt, sollte unbedingt folgende drei Fragen klären: 

1. KI-Erkennung:

Werden Inhalte mit KI erstellt oder bearbeitet und lässt sich dies technisch nachvollziehen? 

2. Transparenzpflicht:

Muss der Inhalt gegenüber dem Nutzer als KI-generiert oder KI-manipuliert gekennzeichnet werden? 

Eine technische Kennzeichnung wie das Watermarking von Anthropic ist dabei nicht dasselbe wie eine sichtbare Information für den Nutzer.

3. Rechtmäßigkeit des Inhalts:

Darf das Unternehmen den Inhalt überhaupt verwenden, etwa mit Blick auf Urheber-, Persönlichkeits- oder Wettbewerbsrecht und wer ist für seine Nutzung verantwortlich?

Technische Watermarks können bei der ersten Frage helfen. Sie beantworten aber nicht automatisch die zweite und schon gar nicht die dritte Frage. Unternehmen sollten daher nicht nur wissen, ob sie KI einsetzen dürfen, sondern auch, welche Transparenz- und sonstigen rechtlichen Pflichten mit dem konkreten Einsatz verbunden sind. 

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