10.07.2026 Fachbeitrag

EDPCI – Europäische Verteidigungsprojekte von gemeinsamem Interesse

Die Europäische Kommission hat am 3. Juli 2026 die ersten fünf Europäischen Verteidigungsprojekte von gemeinsamem Interesse (EDPCI) im Rahmen des European Defence Industry Programme (EDIP, VO (EU) 2025/2643) vorgeschlagen. Kombiniertes Investitionsziel: rund EUR 190 Mrd. bis 2036. Die Kommission stellt EUR 325 Mio. aus dem EUR 1,5 Mrd. EDIP-Budget bereit. Durchschnittlich 18 Mitgliedstaaten je Projekt. Der Rat muss noch über die formelle Einrichtung beraten.

Die fünf vorgeschlagenen Projekte

  • DECODER (Drohnen & Drohnenabwehr): 26 Mitgliedstaaten sowie Norwegen und die Ukraine; Volumen EUR 3,5–5 Mrd. bis 2033.
  • IMSD – Integrated Maritime and Seabed Defence (Maritime Verteidigung & Meeresbodenschutz): Volumen EUR 43–72 Mrd. bis 2045.
  • SPACE (weltraumgestützte Fähigkeiten wie SATCOM, ISR, PNT): Volumen bis EUR 24 Mrd. bis 2034.
  • EU-FIAMD (Luft- und Raketenabwehr inkl. Frühwarnung): 16 Mitgliedstaaten; Volumen EUR 55–80 Mrd. bis 2040.
  • EFW – Eastern Flank Watch (Multi-Domain-Sicherheit der östlichen EU-Grenze): 13 Mitgliedstaaten sowie Norwegen und die Ukraine; Volumen EUR 60–100 Mrd. bis 2036.

Relevanz für die Industrie

Besonders relevant für: Hauptauftragnehmer/Systemintegratoren; KMU/Mid-Caps/Scale-ups (Sensorik, KI, Autonomie, Cyber, EloKa, Drohnen, Unterwassersysteme); Weltraum-/New-Space-Unternehmen; Dual-Use-Technologieanbieter; Investoren und strategische Partner.

Zentrale rechtliche Aspekte

  • Förderfähigkeit: Niederl. in EU/assoziiertem Land erforderlich; Drittstaatkontrolle möglich bei Garantien (IP, Know-how, Verschlusssachen). Prüfung für US-/UK-/CH-Mutterstrukturen.
  • Lieferkette: Max. 35 % Komponentenkosten außerhalb EU. Design Authority ohne Einschränkung durch Drittstaaten – besonders relevant bei ITAR/EAR-Technologie.
  • Beschaffung & Konsortien: Einstimmige Benennung eines Beschaffungsagenten; frühzeitige vertragliche Strukturierung (Teaming, IP, Exportkontrolle, Geheimschutz).
  • IP & Verschlusssachen: Garantien, dass IP/Know-how nicht durch Drittstaat-Kontrolle eingeschränkt wird.
  • Exportkontrolle: EU-/nationale/ausländische Vorschriften beachten; EDIP sieht allgemeine Verbringungsgenehmigungen vor.
  • Beihilfe-/Wettbewerbsrecht: Art. 107/108 AEUV bleibt anwendbar; Konsortialgespräche kartellrechtlich strukturieren.

Beteiligung Ukraine & Norwegen

Ukraine beteiligt sich an vier von fünf EDPCIs, unterstützt durch das EDIP Ukraine Support Instrument (EUR 260 Mio.). Norwegen kann sich als wichtiger NATO-Verbündeter beteiligen.

Nächste Schritte für Unternehmen

  • Fähigkeiten den fünf Projekten und nationalen Prioritäten zuordnen
  • Hauptauftragnehmer, Sponsoren, Konsortialpartner identifizieren
  • Eigentümerschaft, Kontrolle und Drittstaatenabhängigkeiten anhand EDIP-Kriterien prüfen
  • Lieferketten (35 %-Schwelle), IP, Design Authority und ITAR/EAR-Exposition bewerten
  • Konforme Teaming-/Konsortialdokumentation vorbereiten
  • Exportkontroll-, Sanktions-, FDI-, Cyber- und Vergaberecht-Implikationen bewerten
  • Beratungsprozess im Rat verfolgen; EDIP-Aufrufe: Frist Okt. 2026 (1.) / Feb. 2027 (2.)

Fazit

Der Vorschlag markiert den Übergang von fragmentierter nationaler Beschaffung zu großen, kollaborativen Industrieprogrammen (ca. EUR 190 Mrd.). Für Unternehmen in Verteidigung, Luft-/Raumfahrt und Weltraumtechnologie öffnet sich jetzt das Zeitfenster für strategische Positionierung.

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